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Kurier

aus 08.02.1998



Nachruf


Falco war Österreichs einziger Popstar. Als die heimische Szene noch vor allem darüber nachdachte, ob man Austropop mit oder ohne Bindestrich zu schreiben hat, machte er mit größter Selbstverständlichkeit Musik, die im Prinzip genausogut aus New York wie aus Wien-Favoriten hätte kommen können - und die daher in New York wie in Favoriten gehört werden konnte. Als die heimische Szene noch darüber nachdachte, ob Hochdeutsch bereits eine Fremdsprache und daher für einen echten Dialekt-Liedermacher verboten sei, mischte Falco wienerische Strophen mit englischen Refrains und italienischen Textfetzen. Falco war auch ein Popstar, weil er verstand, daß die Wahl der richtigen Hose auf den Erfolg in dieser seltsamen Veranstaltung namens Pop oft mehr Einfluß hat als die Wahl des richtigen Gitarrensounds. Und er verstand, daß ein Popstar in erster Linie nicht seine Musik verkauft, sondern ein Bild seines Egos - und daß er diesen Kaufvorgang nie mit der Realität verwechseln darf. Schon als Bassist bei der Anarcho-Truppe Drahdiwaberl trug Falco Designerkleidung - und darüber eine Plastikhülle, um das edle Tuch bei den legendären Bühnenexzessen der Gruppe vor Befleckung zu schützen. Man kann das auch Ironie nennen. Falco war eine Kunstfigur, die den grenzenlosen Narzißmus des Menschen Hans Hölzl auf die Bühne trug. Das Problem war nur, daß fast niemand den Unterschied sah - und auch Hölzl irgendwann nicht mehr zu wissen schien, wo Falco aufhörte und Hans anfing. guitar


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