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DER STANDARD

aus 09.02.1998



„Er wandelte immer nahe am Abgrund“



Ljubisa Tosic


Wien – Der Wiener Produzent Robert Ponger war mitverantwortlich für Falcos Aufstieg zur international gefragten Popgröße. Er hat die ersten beiden Alben Einzelhaft und Junge Römer produziert und den Großteil der Lieder – auch den Hit Der Kommissar – komponiert. Im STANDARD-Gespräch erinnert er sich an den tödlich verunglückten Sänger.

STANDARD: Wie kam es zu Ihrer Zusammenarbeit mit Falco?

Ponger: Markus Spiegel – der Chef von Gig-Records – hatte mich angerufen und gesagt, er hätte eine Showgruppe namens Drahdiwaberl unter Vertrag, und da sei ein sehr bizarrer, exaltierter Bassist dabei, den ich mir ansehen sollte. Was ich sah, war tatsächlich ein ausgesprochen medienwirksamer Show-Typ. Spontan habe ich für ihn den Kommissar komponiert.

STANDARD: Als Welthit war das aber wohl nicht geplant?

Ponger: Geplant war an sich gar nichts. Wir wurden in Österreich Nummer eins, gingen dann nach Deutschland, wo gerade die Neue Deutsche Welle lief, und kamen auch dort an die Chartspitze, ohne je einen Fernsehauftritt absolviert zu haben. Es ist dann in Frankreich weitergegangen, wo es hieß, die deutsche Sprache sei seit der Kriegszeit verhaßt, auf Deutsch könne man nichts machen. Wir verkauften dort 750.000 Stück. Daß man den Kommissar auf Englisch macht, das wollte Falco allerdings nicht. Das hat dann die britische Gruppe After The Fire probiert, die dann auch in den USA ganz vorne dabei war. Für uns war das kein Problem, wir waren auch so schon positiv geschockt.

STANDARD: Wie war die Arbeit mit Falco?

Ponger: Eigentlich problemlos. Ich habe die Musik gemacht und ihm die Tapes gegeben, damit er seine Texte erfindet. Der Kommissar war zunächst als Gesangsnummer geplant. Wir haben dann entschieden, etwas anderes zu probieren, nämlich auf Deutsch zu rappen. Bei unserer zweiten Arbeit, Junge Römer, hat Falco dann für die Texte schon sehr lange gebraucht. Zuvor war alles erheblich spontaner gewesen.

STANDARD: Die Kunstfigur Falco, wessen Erfindung war die eigentlich?

Ponger: Das war schon er. Auch schon früher – Drahdiwaberl werden das bestätigen – gab er sich gerne exaltiert und exzentrisch. Später hat er natürlich alles verstärkt und wurde diese kühle arrogante Großstadtfigur. Da war schon viel von ihm dabei – er war extrem. Der Unfall ist schockierend, aber wenn man Falco gekannt hat, scheint das jetzt fast eine Fortsetzung vieler früherer Geschehnisse zu sein. Falco wandelte immer ziemlich nahe am Abgrund.

STANDARD: Wie erklären Sie sich, daß er der einzige österreichische Popkünstler war, der international registriert wurde?

Ponger: Das Internationale hängt wohl auch mit seinem Umgang mit der deutschen Sprache zusammen. Er hat Deutsch auf eine englische Art und Weise benutzt – er ist mit Lauten anders umgegangen, war mehr Kosmopolit als Österreicher.

STANDARD: Hätte er noch einmal ganz groß herauskommen, ein Star der späten 90er werden können?

Ponger: Schwer zu sagen. Ich hätte ihm, was das Image anbelangt, eine zerbrechlichere, viel brüchigere Richtung vorgeschlagen, hätte die Dekadenz noch mehr betont und ihn ein bißchen an David Bowie angelehnt. Das habe ich schon bei Junge Römer probiert. Es war damals aber schon so viel Erfolgsdruck dabei, daß diese Zwischentöne ziemlich untergingen.


© 1998 DER STANDARD


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